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Kompressionssocken – Ja oder Nein?

Bei Kompressionssocken scheinen die Meinungen kaum unterschiedlicher zu sein: Viele sagen, dass Kompressionssocken beim Laufen die ,,Leistungsfähigkeit der Läufer verbessern, die Regeneration fördern und Muskelkater vermindern“ (Runners World-Artikel), andere wiederum meinen, dass die engen Strümpfe die Muskeln und Venen eher zu stark unter Druck setzen und daher eher schaden als positiv wirken. Was genau stimmt denn nun und wie sehen wir das? Es folgt eine kleine Recherche in punkto Kompression. Auch wir wollen wissen, warum man so viele Läufer und Läuferinnen mit den bunten Socken am Start sieht. Wie immer gilt: Bitte alles nicht so ernst nehmen, was wir heute schreiben und bildet euch selbst eine Meinung.

Fangen wir mal ganz logisch an und fragen uns, was so ein Kompressionsstrumpf denn genau bewirkt?

Den Ursprung des Lauf-Zubehörs haben die Socken aus der Medizin, genau genommen tragen Menschen mit Durchblutungsstörungen (Venenleiden) solche Strümpfe um den Druck in den Waden zu erhöhen und damit die venösen Blutgefäße zu vergrößern, damit letztendlich die Durchblutung verbessert wird. Hilfe, das hört sich kompliziert an. Die Apotheken Umschau hat das so zusammengefasst:

„Wie die Bezeichnung Kompression schon andeutet, üben die Strümpfe Druck aus. Sie sind sehr feinmaschig gewebt und pressen, wenn Sie sie angezogen haben, die Venen in den Beinen zusammen. Dadurch können die Venen das Blut wieder effektiver in Richtung Herz transportieren.“ (vollständiger Artikel der Apotheken Umschau)

Klingt recht logisch. Fürs erste. Wenn die Durchblutung angeregt wird, also schneller Blut durch den Kreislauf gepumpt wird, dann gelangt auch mehr Sauerstoff in die Muskulatur.

Und wie genau lässt sich das beim Laufen erkennen? Ist man leistungsfähiger?

An der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen hat eine Studie gezeigt, dass beim Tragen von Kompressionssocken eine Leistungssteigerung von + 5 % erzielt werden kann. Mehr zu diesen Erkenntnissen, die zugegebenermaßen schon etwas in die Jahre gekommen sind, findet ihr hier: Wirkung von Kompressionsstrümpfen auf der Laufleistung in Men Runners

Wirkliche wissenschaftliche Belege gibt es bis heute aber eigentlich nicht, und auch die Werbeindustrie wirbt nicht (mehr) mit solchen Leistungssprüngen.

(Kurzer Exkurs: Stellt euch mal vor, man würde tatsächlich um 5 % leistungsfähiger sein mit den Kompressionssocken und greift den Trend der Carbonschuhe auch noch auf. Nike wirbt ja mit dem Nike ZoomX Vaporfly Next percent, dass man mit diesem Schuh über die Marathondistanz ebenfalls noch mal bis zu 5 % in der Laufökonomie einspart. Kombiniert man diese Features, also Socken und Carbonschuhe, würde man dann in Kombination um bis zu 10 % Leistung einsparen? Ihr wisst sicherlich, wie ich das meine. Nehmt das bitte auf keinen Fall ernst. Falls doch, dann würde wohl bald ein Wettrüsten mit Kompressionssocken und Carbonschuhen losgehen. Naja, genug dazu und weiter im Text.

Was für erkennbare Vorteile gibt es denn nun in Sachen Kompression?

  • Stützung und Stabilisierung der Fußgelenke
  • Unterstützung der Regeneration (Abtransport von Blut und Lymphflüssigkeit wird verbessert)
  • mehr Sauerstoff gelangt zur Muskulatur -> Man ist (minimal) leistungsfähiger?
  • psychischer Effekt – gesteigertes Wohlbefinden beim Tragen (subjektive Wahrnehmung)
  • Achtung: Ich trage die knielangen Socken auch und eigentlich vor allen Dingen dann, wenn es etwas kälter ist, ich aber trotzdem eine kurze Hose tragen möchte. So werden meine Beine nicht so schnell kalt.
  • Verletzungsprophylaxe

Um ehrlich zu sein, während der Recherche habe ich eigentlich gar nicht so viele negative Artikel zu Kompressionssocken gefunden. Obwohl, einen Punkt habe ich immer wieder gelesen: Die falsche Anwendung kann den Blutfluss stören. Positiv ist das sicher nicht. Von daher: Immer auf die korrekte Anwendung und Größe der Socken achten (siehe Größentabelle Bauerfeind).

Auch in unserer Instagram-Umfrage waren die Kommentare und Ergebnisse eigentlich recht ordentlich. Bei 107 Abstimmungen, ob man beim Laufen die Kompressionssocken als sinnvoll betrachtet, haben 42 % dafür gestimmt und 58 % der Befragten war es egal oder sie betrachten die Socken als „unnütz“. Einige sagten, man bekommt mit Kompressionssocken schneller Krämpfe, andere wiederum schwören auf den Effekt der Regeneration und das angenehme Laufgefühl mit Kompressionssocken.

Ich glaube, die Meinung ist so gespalten, weil es keine so starken und erkennbaren Effekte gibt, die einen dazu bewegen, die Socken unbedingt zu kaufen. Und die Wissenschaft liefert scheinbar auch noch keine Fakten, dass Kompression uns Läufern unfassbar gut tut. Und wenn man sich dann mal die Preise mal ansieht, dann staunt man nicht schlecht. Gut und gern 45 € muss man schon mal für ein Paar auf den Tisch legen. Aber wer 300 € für ein Paar Laufschuhe ausgibt, der hat mit Sicherheit auch noch ein paar Euro übrig für die Kompressionssocken.

Wichtig, und das ist wahrscheinlich die einzige Erkenntnis aus dem Beitrag:

Sucht euch beim Kauf die richtige Größe für eure Socken aus. Wenn Kompressionssocken zu eng sind, dann kann der Druck auf die Waden zu stark ausfallen und eher schädigend wirken. Sind die Socken zu weit, entfällt der Effekt der Kompression. Die Firma Bauerfeind hat uns freundlicherweise ein paar Exemplare ihrer „Run Ultralight Kompression Socks“ zugeschickt – Herzlichen Dank an der Stelle – und ausdrücklich darauf hingewiesen, die richtigen Größen anzugeben. Wie man den Wadenumfang misst und welchen Größen das entspricht, lest ihr in der Größentabelle (hier klicken). Dass der Artikel letztendlich doch recht positiv ausgefallen ist, hat aber in keinster Weise etwas mit der materiellen Unterstützung von Bauerfeind zu tun. Unsere Recherche und auch unsere Erfahrungen haben wir objektiv gestaltet.

Wann tragen wir Kompressionssocken?

Gute Frage. Ehrlich gesagt kann ich hier gar keine so klare Antwort geben, da bei uns das Thema einfach gar nicht so die große Aufmerksamkeit erfährt. Wenn ich einen langen Lauf absolviere, dann trage ich gerne die Socken und behalte sie auch noch eine ganze Zeit nach dem Lauf an, um weiter oben beschriebene Regenerationsmaßnahmen einzuleiten. Bei Marathons oder noch längeren Strecken sind die bunten Socken auch immer regelmäßiger im Einsatz, auch wenn ich ehrlich gesagt beim Laufen keinen großen Vorteil spüre. Die Socken lassen sich angenehm tragen, das ist mir wichtig. Inwieweit die Socken mich unterstützen, ist mir fast egal. Solange ich ein gutes Gefühl dabei habe, ist in meinen Augen alles okay.

Ach so, bei schnellen Einheiten und 5 km oder 10 km-Wettkämpfen trage ich die Kompressionssocken nicht. Auch im Spitzenfeld sehe ich eher mehr Läufer, die keine Kompressionssocken tragen, als Läufer, die eben welche an haben. Einen genauen Grund kann ich hier gar nicht nennen, ich weiß es ehrlich gesagt echt nicht.

Also, abschließend bleibt das Thema Kompressionssocken „Ja oder Nein und warum?“ ein heiß diskutiertes Anliegen. Ich finde, jeder, der sich etwas mehr mit dem Laufen beschäftigt und diesen Trend noch nicht ausprobiert hat, sollte ihn mal testen und sich seine eigene Meinung bilden. Mir gefällt der Tragekomfort an Waden und Schienbeinen und auch an kälteren Tagen ist es angenehm, trotzdem mit kurzer Hose zu laufen, weil die (fast) knielangen Socken die Unterschenkel wärmen. Und wenn man dann auch noch cool ausschaut, weil man mit den festen Socken unterwegs ist, hat man doch alles richtig gemacht. Vielen Dank für das Lesen des Artikels!