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Wer von diesem Trend noch nicht gehört hat, der hat entweder mit dem Laufsport nichts zu tun oder lebt wirklich hinter dem Mond. Ich rede von Laufschuhen mit einer Carbonplatte. Warum Carbonplatte? Aus Sicht von Nike erklärt soll die Carbonplatte oder besser gesagt der gesamte Schuh einen Läufer (bis zu) 4 % schneller machen. Grund genug, diesen Wunderschuh mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Es folgt ein kleiner Testbericht (ohne roten Faden) des Nike ZoomX Vaporfly Next %.

Wer schreibt hier?

Der rote Vogel auf dem Foto. Das bin ich – Tim, aka tist100, 22 Jahre alt, Sportmanagement-Student, leidenschaftlicher Läufer und Lauftrainer aus Wuppertal. Auf den Strecken und Trails von 5-42,195 km fühl ich mich gut aufgehoben. Ich bin für jeden Spaß zu haben, nehme mich selbst nicht zu ernst, teste gern die neuesten Trends, habe meine GoPro immer in der Tasche und bin immer ,,auf Achse“.

Gut. Reicht jetzt. Weiter.

Das ist mal eine Ansage von Nike. Macht der Schuh wirklich schneller? Wenn ja, warum ist das so? Ich hoffe, dass ich am Ende eine Antwort auf die Fragen geben kann.

Zu Beginn in aller Kürze ein paar Fakten zum Schuh:

Facts

  • Sprengung: 8,0 mm
  • Gewicht: 211,0 g
  • Sohlentechnik: Nike ZoomX Schaum & Carbonplatte
  • Schuhtyp: neutraler Wettkampfschuh für Straßenläufe bis zum Marathon
  • Preis: 275,00 €

Muss man noch mehr wissen? Man sagt, dass der Schuh eine Langlebigkeit (oder schreibe ich besser Kurzlebigkeit?) von 250-275 km besitzt. Wenn man sich den Preis anschaut und ihn mit der Laufleistung vergleicht, so würden bei einem 15 km-Trainingslauf ca. 15,00 € an Verschleißkosten anfallen. Nur mal als Annahme: Ich laufe 3.500 km jährlich und würde nur im Vaporfly laufen, ihn alle 275 km austauschen, dann wären das knapp 13 Paar oder eben 3.500,00 €. Uff! Natürlich läuft man im Jahr nicht nur ein Modell, aber auf 3.500,00 € an Schuhkosten bin ich wahrscheinlich in meinem ganzen Leben noch nicht gekommen. Wer mich kennt, der kennt auch meinen Schuh-Tick.

Wir sprechen hier also von einem hochpreisigen Wettkampfschuh, der von etwa 67 % aller Profi-Athleten gelaufen wird. Die Zahl an ambitionierten Hobbyläufern ist schätzungsweise mindestens genauso hoch. Dass mit diesem Schuh in den letzten Jahren quasi schon in einer Regelmäßigkeit Weltrekorde erlaufen werden, sei hier nur am Rande erwähnt!

Wenn man sich die ersten Reihen bei Volks- und Straßenläufen ansieht, so taucht immer öfter der bunte Vaporfly auf. Bevor ich dann aber auch genug Zahlen und Statistiken genannt habe, schaut euch doch mal schnell das unten angepinnte Foto von Gruppe 3 des Do It Fast aus Dortmund an. Was siehst du? Außer die drei Läufer Schaumi, Hagen und Tim? Genau – alle drei haben den Vaporfly am Fuß. Und auch bei Spitzengruppe 1 und 2 war der Vaporfly in Dortmund stark vertreten. Das muss einen Grund haben.

Wir Jungs und vor allem unsere Remscheider Maschine Marvin hat sich in diesen Schuh verliebt. Ich versuche mal ein wenig detaillierter zu erklären, warum das so ist:

Besonders das einzigartige Laufgefühl, welches der Vaporfly an den Tag legt, ist bei Tempoläufen und Wettkämpfen einfach nur ein Segen. Stellt man sich das erste mal in den Schuh, dann kippt man übertrieben gesagt gleich wieder aus den Latschen. Die Schuhe wippen sofort nach vorn und animieren einen nahezu, heute Bestzeit zu laufen. Das Abrollverhalten in Kombination mit dem sehr reaktionsfreudigen ZoomX Schaum lassen die Füße über die Straße fliegen. Die Carbonplatte wirkte in meinen Augen zu Beginn ein wenig versteift und Bedarf ein wenig Eingewöhnung, aber ziemlich schnell weiß man doch mit dieser Technik umzugehen. Bereits nach den ersten Metern merkt man, dass der extrem weich dämpfende Schuh einem enorm viel Vortrieb verschafft. Was die Carbonplatte nun bewirkt? Ich stelle mir die Mittelsohlenkonstruktion wie eine Art Feder vor, die einen nur so aus dem Asphalt schießen lässt. Und das spürt man wirklich. Bei keinem anderen Laufschuh haben wir bisher ein ähnliches Gefühl von Energiegewinnung verspürt.

Was mich persönlich ein wenig stört ist der Bereich der Fersenkappe. Ich laufe den Schuh wirklich ausschließlich bei Wettkämpfen und verspüre in den ersten Minuten meist ein leichtes Drücken an der Ferse. Das ist rein subjektiv und womöglich stellt sich das Problem ein, wenn ich den Schuh regelmäßiger laufen würde, aber ich möchte es auch nicht unerwähnt lassen. Für mich persönlich ist die Fersenkappe fast schon ein wenig zu hart. Was man auch immer wieder von Vaporfly-Läufern hört sei die Schwammigkeit in Kurven. Wenn ich mir die Konstruktion des Obermaterials (Vaporweave) ansehe, dann findet man hier tatsächlich keine stabilisierenden Elemente. Schwammig oder instabil finde ich den Vaporfly aber keineswegs. Wenn man auch nur etwas mit Bedacht in eine scharfe Kurve einläuft, dann stellt dies überhaupt keine Probleme dar. Ach so, was mich echt stört: 275 € für einen Laufschuh? Ist das nicht zu viel? Natürlich ist das zu viel. Gekauft haben wir ihn trotzdem. Warum? Weil er unfassbar viel Spaß macht.

Kurz noch etwas zur Langlebigkeit des Vaporflys. Mein Schuh hat nach etwa 50 km noch überhaupt keine Abnutzungserscheinungen. Marvin ist seinen grünen Vaporfly wirklich so lange gelaufen, bis dieser auseinander gefallen ist. Wie viele Kilometer das waren? Wenn ihr mich fragt, dann waren es zu viele. 1.200 km waren es bestimmt. Lassen wir alles weitere mal so im Raume stehen.

Meine Empfehlung: Wer die Möglichkeit hat, diesen Schuh einmal probehalber laufen zu können, der sollte dies auf jeden Fall tun. Ob der Schuh für den Hobbyläufer, der im 5er oder 6er Schnitt seine Runden dreht, von Vorteil ist, das sei mal dahingestellt. Darüber hinaus ist der Schuh wohl eher weniger für Fersenläufer geeignet. Warum? Hier sollten Schuhe mit genügend Dämpfung gelaufen werden. Ein Neutralschuh wie der Nike Zoomx Vaporfly Next % kann da schnell mal zu Verletzungen führen. Einen attraktiveren Wettkampfschuh bin ich/sind wir bis jetzt noch nicht gelaufen.

Macht der Schuh also wirklich schneller?

Rein faktisch gesehen, darf ich mir hierzu kein Urteil erlauben. Ich bezweifle, dass es die Schuhe waren, die mir beim Do It Fast eine Zielzeit von 32 Minuten ,,geschenkt“ haben. Ich bin der Ansicht, dass es nicht der Schuh ist, der einen schneller werden lässt. Ob ich ohne den Vaporfly vielleicht nur 33 Minuten gelaufen wäre? Ich glaube nicht.

Anders gesagt: Ich denke, man muss auch an diesen Effekt glauben, dass der Schuh einen schneller macht. Was der Schuh aber auf jeden Fall kann ist das Pushen nach vorne bei zügigen Läufen. Die federnde Unterstützung bei einem 10 km-Wettkampf lässt mich (vielleicht) etwas weniger Energie verbrauchen und mich weniger schnell ermüden. Inwieweit das dann ausschlaggebend für die Zielzeit ist; ob es 10 Sekunden sind oder 2 Minuten, das kann und möchte ich nicht beantworten.

Fakt ist: Der Schuh macht sehr viel Spaß und vermittelt ein tolles und dynamisches Laufgefühl. Alles Weitere findet im Kopf statt.